Archiv der Kategorie: Contergan

Contergan… der Umgang mit: die Wahrheit sagen

Gerade habe ich die mit Spannung erwartete Email erhalten. Es geht darum, die Wahrheit sagen zu dürfen. Dazu bedurfte es, meiner Auffassung nach leider erst, eines Gerichtsurteils durch das Oberlandesgericht Köln. Warum fällt es schwer Wahrheiten zu akzeptieren, die sich nicht verdrehen lassen?, fragt man sich da.

Dieses Urteil dürfte auch für die Bundestagsabgeordneten von Interesse sein für die Frage, wie zukünftig sicher gestellt wird, dass aus den Ministerien qualifizierte und tragfähige Antworten auf Kleine Anfragen oder beim Informationsanspruch des Bundestages erfolgen.

Für alle Interessierten hier nun der Inhalt der Email:

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, sehr geehrte Damen und Herren,
Im Verflechtungsprozess Grünenthal -Conterganstiftung hat es vor dem Oberlandesgericht Köln am 12.4.2018 ein Urteil gegeben.
Den Urteilstenor und eine Übersicht über die Urteilsgründe entnehmen Sie bitte der anliegenden Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln vom 12.4.2018.
Anlässlich des Urteils haben die Medien diverse Meldungen veröffentlicht.
Die Medienmeldungen finden Sie unter folgenden Links:
Mit den besten Wünschen
Andreas Meyer
Hier nun die Pressemeldung des Oberlandesgerichtes als PM_015_PM_ 12-04-2018 – Conterganstiftung pdf-Datei.

Contergan – 50. Jahrestag der Rücknahme vom Markt

Ein Anlass wieder einmal hier auf den bisher unerträglichen Umgang mit den Thalidomid-Geschädigten aufmerksam zu machen.

Am Freitag, 25.11.2011, wird in der ARD, das Erste, der Zweiteiler „Eine einzige Tablette“ um 21.45 Uhr (Teil 1) und 23.00 Uhr (Teil 2) als Wiederholung ausgestrahlt.

Lange hat es gedauert bis die Wahrheit über Contergan ans Tageslicht kommt.
Dazu möchte ich hier auf das Buch von Stephan Nuding hinweisen:

„Profit vor Menschenrecht
Die Geschichte des Contergan – Verbrechens vom Dritten Reich bis heute“
(ISBN 978-90-76332-71-0)


ab sofort beim Dr. Rath Education Service B.V.
bestellt werden kann.

Unabhängig von ihm habe ich auch selbst Spurensuche betrieben und die einschlägigen Bücher von Historikern schon in früheren Artikeln angegeben, woraus sich Hinweise ergeben, dass Wirkungen der Inhaltsstoffe der Contergan-Formel bereits im Dritten Reich entwickelt wurden und Fachleuten bekannt waren.

Wer behauptet: „Ich / Wir haben nichts gewusst!“, wollte wohl nichts wissen, obwohl es informierten Persönlichkeiten bekannt war!
Dazu hier nun ein eingebettetes Video, welches auf der Webseite vidup.de veröffentlicht ist.

Dass Contergan auch ein Thema in den USA ist, kann auf der Webseite von Hagens Berman hbsslaw.com in einem Video angesehen und gehört werden.

Nach diesen Ergebnissen kann man wohl nicht anders als von einem Verbrechen sprechen.
Es sind nach meiner Einschätzung Vertuschungen und Täuschungen vorgenommen worden, aber nicht die erforderlichen Massnahmen gegen dieses Verbrechen durchgeführt worden.
Bis heute wird nicht dem Vorwurf des Prozessbetruges nachgegangen.

Es gab seinerzeit und gibt bis heute keine Entschuldigung des Staates für sein Versagen auf dem Gebiete des Schutzes der Menschen durch dieses gefährliche Medikament gegenüber den Thalidomid-Geschädigten und ihren Eltern sowie einer nicht genau zu beziffernden Anzahl von Tötungen/Morde von Foeten den betroffenen Eltern gegenüber!
Es gab seinerzeit und gibt bis heute keine Entschuldigung des Staates und seiner Behörden für die unterlassenen Handlungen auf dem Gebiet der Strafverfolgung von Straftätern und Unterstützern, die z.B. dem vorliegenden Haftbefehl des Staates Polen gegen den Entwickler nicht nach kamen und so ein unbehelligtes Leben und Wirken von Dr. Heinrich Mückter in der Firma Grünenthal ermöglichten.
Es gab seinerzeit und gibt bis heute keine Entschuldigung der Herstellerfirma über das verursachte Leid gegenüber den Betroffenen!
Es gab seinerzeit lediglich Verweise darauf, dass die möglichen Gründe für die Schädigungen wo anders zu suchen seien, als bei der Wirkung des Medikamentes. Beschämend für die Eltern, die sich Hilfe erhofften.
Es gab seinerzeit und gibt bis heute keine angemessene Entschädigung für den angerichteten Schaden an die Geschädigten, welche nach meiner Auffassung neben den benötigen Hilfen auch Schmerzensgeldzahlungen umfassen muss.

Es gibt lediglich die völlig unzureichende Kapitalentschädigung und Rentenzahlungen nach dem Stiftungsgesetz, welches auch erst spät und unzulänglich vom Bundestag verabschiedet wurde.
Damit sollte der Skandal beendet werden, doch kommt es einem heute so vor, dass damit nur „Blaupausen“ für folgende Katastrophen bis in die heutige Zeit gelegt wurden.

Contergan – Beteiligung an der Bedarfsforschung

Auf der Webseite des Bundesverbandes Contergangeschädigter wird nun über die Beteiligung berichtet:

Kraftvoller Start mit kraftvoller Fortsetzung.
Über 30 % der Contergangeschädigten beteiligen sich am Forschungsprojekt zur Ermittlung des
Unterstützungsbedarfs der Betroffenen

Und hier die dazu gehörigen Zahlenangaben aus der Pressemitteilung:

Die Zahlen im Einzelnen
Von den in Deutschland lebenden ca. 2.380 Betroffenen haben
– 810 der Betroffenen die Fragebögen ausgefüllt zurückgeschickt. Das entspricht einer Quote von
mehr als 30 % (Stand 05.05.2011).
– 297 Personen weiterführenden Interviews durch das Institut für Gerontologie Heidelberg
zugestimmt.
– 208 ihre Einwilligung gegeben, den Arzt ihres Vertrauens durch das Institut für Gerontologie
Heidelberg befragen zu lassen.
– 158 ihre Bereitschaft zu konzeptioneller Mitarbeit im Rahmen von Fokusgruppen zugesichert.

Für mich, die sich ganz bewusst nicht an dieser Art unseriöser Forschung beteiligt hat, wäre solch eine Beteiligungsquote kein Grund von einem kraftvollen Start zu sprechen; außer man erklärt eine „Minderheit“ für eine „Mehrheit“.

Mehrheit bedeutet in einem demokratischen Verständnis eine Beteiligung von mehr als 50%.

Insofern stellt sich die Frage, ob bei solch einem mageren Beteiligungsergebnis die gesammelten Datensätze überhaupt für eine wissenschaftlich zuverlässige und aussagekräftige Forschung herangezogen werden können.

Aus meiner Sicht ist dieses Forschungsvorhaben gründlich gescheitert!
Das ist auch gut so, denn es war, aus Nebensätzen der von mir angesprochenen Personen zu erkennen:
Es steht keine Verbesserung für jeden einzelnen Betroffenen dadurch in Aussicht, sondern es wird nur nach guten unwiderlegbaren Begründungen eines Umverteilungsanspruches unter den Contergan-/Thalidomidgeschädigten gesucht!

Als Contergan-/Thalidomidgeschädigte fordere ich die Anerkennung und dazu gehörige Schadenersatzleistung von Seiten des Staates, welche er mit der Haftungsübernahme eingegangen ist!
Es sind, nach meiner Einschätzung, schon reichliche Verfehlungen im Umgang mit diesem Skandal vorgekommen, sodass man bald nicht mehr daran vorbei kommt dieses als ein Verbrechen zu bezeichnen. (Höflich ausgedrückt!)