Top oder Flop ?

Unter dieser Fragestellung könnte man die gestrige ARD-Sendung mit dem Thema „Hilfe – alles wird teurer! So kann ich sparen“ kritisch hinterfragen.

Zum Thema: „Unser Dorf soll sparsam werden!“ sind von zwei Dörfern fasst gleiche oder nur begrenzt unterschiedliche Handlungsweisen der Bewohner angeführt worden. Das eine Dorf will dabei auf überflüssige Elektro-Geräte verzichten.
Die Beleuchtung der Straßen zu reduzieren war eine Idee. Nur gut, dass sie die Strassenbeleuchtung nicht einfach komplett ausgeschaltet haben, sondern den Sicherheitsinteressen dem Sparzwang noch den Vorzug gaben. Fazit aus meiner Sicht: Nur bedingt nachahmenswert! Dunkelheit fördert Diebe – möge ein warnender Hinweis neben den Sicherheitsinteressen auf den Straßen sein. Überfälle auf dunklen Campingplätzen haben ja schon Mal für riesige Schlagzeilen gesorgt! Besser wäre eine Prüfung, ob es sich lohnen kann diese über solare Stromversorgung zu betreiben.
Ein weiteres Beispiel: Eine Woche ‚Kalte Küche‘ bzw. Grillveranstaltungen können im Sommer gemacht werden. Mit Spaß sogar…. aber im Winter? Da wird wohl auch mal gerne eine warme Mahlzeit gegessen – natürlich auf dem Herd gekocht im Haus. Fazit aus meiner Sicht: Nicht besonders Nachahmenswert!
Oder die Idee, CD-Player aus und Buch lesen, von den Kindern ist ein gutes Beispiel. Fazit aus meiner Sicht: So gibt es Übung im Lesen und verhilft eventuell noch zu guten Noten in der Schule.
Oder Fernseher am Nachmittag aus und dafür spielen die Kinder draußen. Fazit aus meiner Sicht: Fördert die kindliche Entwicklung jedenfalls besser.
Oder der komplette Verzicht auf das Auto für alle notwendigerweise zurückzulegenden Wege. Zur Arbeit – mit dem Rad, in die Nachbarkommune zum Einkaufen – mit Rad und Anhänger, doch vorher noch drei Kinder bei jemand anderen unterbringen zu müssen oder um einen Arzttermin mit Kind wahrnehmen zu können – die Suche nach den verkehrenden Öffentlichen Verkehrsmitteln, die dann an dem Tag nicht fahren, zeigt deutlich die Abhängigkeit auf. Fazit aus meiner Sicht: Radfahren zur Arbeit bedeutet also erheblichen Zeitaufwand, von der körperlichen Anstrengung abgesehen. Egal ob es sich dabei um 20km oder weniger handelt, im Sommer ist es vielleicht machbar. Doch im Winter in der Dunkelheit mit dem Fahrrad über Landstraßen ohne Radwege kann es ein lebensgefährlicher Trip werden. Wer mag, kann hier also Benzinkosten einsparen unter Verlust von Zeit für die Familie.
Das Einkaufen für eine Familie bereitet auch Probleme, denn nur Teileinkäufe sind auf Grund der geringen Zuladung im Fahrradanhänger möglich. Für größere Mengen, bei Gefriergut-Bedarf oder bei hohen Gewichten eignet sich das Fahrrad kaum. Auch hier gilt die oben gemachte Anmerkung bezüglich der Gefahr bei Dunkelheit im Winter.
Ohne vernünftigen täglichen Öffentlichen Nahverkehr am Wohnort, sind Termine kaum machbar. Erst recht nicht, wenn es Untersuchungstermine beim Kinderarzt sind, die ja zukünftig zur Pflicht werden sollen. Auf einen netten Nachbarn als Transporteuer kann man nicht immer hoffen. Für eine Familie mit kleinen Kindern, die der Beaufsichtigung bedürfen, ist es besonders schwierig. Familien, welche nicht direkt in Ortschaften wohnen und alles Notwendige in der Nähe haben, geht es also kaum ohne ein Auto. Zwei Fahrzeuge sind nur dann erforderlich, wenn sich keine Vereinbarkeit von Arbeitszeit (Wechselschichten) und Familie (z.B. Kinderbeaufsichtigung bei Abwesenheit der Eltern) herstellen lassen.
Ein Restaurantbesuch bei Kerzenschein mag romantisch sein. Für die Bediensteten als Arbeitsbedingung auf Dauer auch? frage ich einmal aus Sicht des Arbeitsschutzes. Fazit aus meiner Sicht: kann es mir kaum vorstellen, dass unter solchen Bedingungen die Arbeitskräfte ständig arbeiten möchten. Also nicht nachahmenswert auf Dauer!
Das Auswechseln von Umwälzpumpen in den Häusern war auch eine Idee. Fazit aus meiner Sicht: Eine annehmbare Idee, die sich durch den geringeren Verbrauch auch amortisiert. Dazu evtl. auch noch die Laufzeiten beschränken soweit es die Heizungs- und Warmwasseranlage im Einklang mit den persönlichen Ansprüchen zulässt, bringt eine sinnvolle Einsparung. Gute Idee, nachahmenswert.
Auf die Waschmaschine zu verzichten und die Wäsche von Hand waschen ist man auch gekommen. Fazit aus meiner Sicht: Das ist eine Idee für ganz empfindliche Textilien auch heute noch. Frage: „Welche Hausfrau hat so einen großen Topf, um darin die Kochwäsche zu waschen oder auch nur 60 Grad-Wäsche?“ Da kann man nicht einmal so einfach ohne Verbrennungen die Wäsche schrubben. Selbst die 30 Grad-Wäsche immer so zu behandeln ist nicht nur zeitintensiv, es verbraucht wahrscheinlich sogar mehr Wasser und Strom als die Maschine. Wo ist da noch der Einspar-Effekt. Das Wasser muss ja doch erhitzt werden. Das ist ein Schritt zurück in die „Steinzeit“ nicht in die „Moderne“. Nicht nachahmenswert aus meiner Sicht.
Das Gesamtfazit aus meiner Sicht zu diesem Sendeteil: Es waren also einige Ideen, wie unnötig brennende Lampen auszuschalten oder im Text als nachahmenswert bezeichnet, dabei. Doch sie sind m. E. nicht so bedeutend für ein großes Einsparpotential, wenn man den dafür benötigten teilweisen höheren Aufwand mit einem Geldbetrag (wie heute ja üblich – Zeit ist Geld) gegenüberstellt. – Einige machbare Ideen, die dem Bereich Top in der Überschrift zugeordnet werden können, andere wiederum die eher als Flop bezeichnet werden müssen, wollte man sie ganzjährig durchführen.

Bei dem Berichtsteil über die Lebensmittelprodukte vom Markenhersteller im Vergleich zu den NoName-Produkten wurden verwertbare Informationen zur Erkennung des Herstellers gegeben. Das Gesamtfazit aus meiner Sicht zu diesem Sendeteil: Gute Erläuterungen und daher dem Bereich Top zuordnungsfähig.

Die gezeigten und auch auf der Webseite nachzulesenden Spartipps sind meines Erachtens solche, welche schon weit verbreitet und bekannt sind. – Also kaum neue Tipps, weshalb dieser Teil aus meiner Sicht eher zum Flopbereich eingeordnet werden muss.

Der Bericht über die verschiedenen Antriebsmotoren der Autos, der preiswerten Kleinwagen bis 10.000 Euro, Crash-Test, spritsparendes Autofahren, enthielt wenige interessante Informationen, passt aber meines Erachtens eigentlich eher in entsprechende Autosendungen. Einiges wurde dabei sehr langatmig gezogen, während über die sparsame Fahrweise nur kurz und knapp berichtet wurde. Was nützt ein Verbrauch, welcher auf der Autobahn erreicht wird? Die meisten Autofahrten führen in die Stadt und zurück zum Wohnort. Beim Crash-Test-Bericht fiel auf, dass die Beurteilung aus der Ferne auf das Auto erfolgte. „Verfügt der nette Herr Experte über einen „Röntgenblick“ oder woher konnte er seine Beurteilung ableiten?“, stellte sich bei mir umgehend die Frage ein. Das „Männer-Thema“ Auto kam nicht zu kurz. Das Gesamtfazit aus meiner Sicht zu diesem Sendeteil: Durch viele nette Schleichwerbung für einige Autohersteller und die sehr versteckt eingestreuten wirklichen Informationen, erfolgt die Zuordnung zum Flop-Bereich.

Im Sendeteil bezüglich eines Essens für 4 Personen für 15 Euro ist zwar durch den Einkauf von Cornelia Poletto und Alfons Schuhbeck auf dem örtlichen Markt das Angebot zu sehen gewesen. Von der Umsetzung im Studio war allerdings nicht viel zu sehen. Beide Koch-Profis machten teilweise „ein langes Gesicht“, vorallem wenn ihnen bei Erklärungen ins Wort gefallen wurde. Das „Frauen-Thema“ wurde entsprechend kurz und knapp abgehandelt. Die meines Erachtens wichtige Information war wohl: Auf dem Markt kann man gut und preiswert einkaufen gegenüber einem Supermarkt.
Hier wären Informationen, neben denen über die Qualität der Nahrungsmittel, über die Unterschiede bei den Kochfeldern also alte Kochmulde mit Herdplatte, Ceranfeld oder Induktionskochstelle informativer gewesen. Leider war diese Idee nicht vertreten. Das Gesamtfazit aus meiner Sicht zu diesem Sendeteil: Weder Fisch noch Fleisch – also eher dem Flop-Bereich zuzuordnen.

Wie gespart werden kann, ist weitest gehend bekannt. Nur was nutzt es dem Einzelnen, wenn er seinen Verbrauch senkt. Die Versorger schauen auf den gesamten Absatz und ändern dann doch höchstens den Preis, weil sie gerne ein Ergebnis-Plus im Geschäftsbericht vermelden möchten.
Vielmehr könnte doch die Frage nach dem „Warum ist alles so teuer geworden?“ und „Was tut die Politik dabei?“ von Bedeutung sein.

Dazu kommen hier nun einige Links auf interessante Berichte (teilweise wird in einer Webseite auf einen Beitrag gesprungen):

Transparency International Deutschland — Unter Hintergrund beim dritten Punkt : Den Satz mal auf der Zunge zergehen lassen. Nicht mehr nach den Politikern fragen oder ….?

Abgeordnetenwatch — Anfrage vom 23.07.08, Antwort vom 01.09.08 (besonders der letzte Absatz der Antwort) oder …?

ngo-online –Wer kein Interesse an der Politik mehr hat wechselt halt oder …?

ngo-online –Wenn Politiker meinen der Aufschwung kommt an oder …?

ngo-online –Wenn einer will und der andere nicht oder …?

ngo-online –Wer verfügt über Einflussnahme oder …?

ngo-online –Wer macht was oder …?

Greenpeace –Stärkt man Demokratie oder …?

ngo-online –Woher kommt das Geld oder …?

ngo-online –13% oder …?

ngo-online — Finanzierung oder …?

Heise –Weniger Strom verbrauchen oder …?

Heise — Wie bitte oder …?

Tagesschau — Schön wär´s oder …?

Wirtschaftsblatt — Upps, ein besonderes Sparschwein oder …?

Mercer — Oje, Deutschland = nur 5 Arbeitnehmergruppierungen oder …?

Deutschland-Debatte — Nun wissen wir´s oder …?

Open-Business-Network –Wer rechnen kann erkennst, wer nicht – nicht oder …?

Handelsblatt –Mit Yoga-Übungen zur Ruhe kommen oder …?

Süddeutsche Zeitung –Reden ist genug oder …?

Süddeutsche Zeitung –Was kommt oder …?

Zum Schluss noch ein Zitat von Pfarrer Heinrich Albertz:

„In einer Gesellschaft, die sich demokratisch nennt, wird man sich daran gewöhnen müssen, dass manche den Mund auftun, wenn sie es für richtig halten, und auch Zeitpunkt und Ort ihrer Äußerungen selbst bestimmen.“

Hinweis zu den Links: Die einzelnen Titel sind nicht benannt, nur der Webseiten-Name. Wer bei den von mir angefügten Bemerkungen nach den beiden Strichen meint, Ironie zu finden darf sie auch gerne behalten.

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