MaM – Museum am Münster

Wer die Diskussion zum MaM beobachtet, findet immer wieder Beiträge, die sich mit den Exponaten oder der Finanzierung befassen.

Aus meiner Sicht fehlt hier eigentlich die Sicht auf die doch großartige Stadtgeschichte mit ihren vielfältigen Ausprägungen. Wo sonst als an einem zentralen Ort, kann heute und zukünftig den Kindern und Besuchern etwas über die Stadt, ihre Verbindungen zu anderen Orten, über herausragende Persönlichkeiten usw. erzählt oder anschaulich präsentiert werden. Es ist nicht alles nur Vergangenheit. Doch aus ihr lässt sich vieles lernen.

Heimatkunde stand früher einmal auf dem Lehrplan in den Schulen. Zukünftig werden die Lernschwerpunkte wohl in anderen Bereichen liegen, wenn man bedenkt, dass Erstklässler Englischunterricht erhalten sollen. Da bleibt wohl kaum noch Zeit für die spannenden Geschichten früherer Zeiten. Heute kann man schon Klagen hören, dass Kinder nicht einmal mehr wissen woher das Essen kommt. Wie sieht es erst aus, wenn es um „ihre“ Geburtsstadt handelt. Werden sie Besuchern etwas erzählen können über
– die Hanse,
– das Stift und die Äbtissin,
– die Jakobikirche (früher auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien, heute nicht mehr enthalten),
– den Sachsenherzog Widukind (schwarze Rappen, später ritt er weisse Pferde, die Sattelmeier-Höfe),
– über die Möbelindustrie,
– über die Arbeiter aus den Niederlanden, die früher hier Arbeit suchten (heute suchen etliche Deutsche Arbeit in den Nachbarstaaten),
– die Weber (Handweber, Linnenbauerdenkmal), Tuchherstellung,
– die Vision, Marienerscheinung, nicht nur als bekannte Kirmis,
– jüdisches Leben in Herford,
– Musik in Herford, mit der Nordwestdeutsche Philharmonie, der Hochschule für Kirchenmusik sowie die Rockakademie OWL
– Städtepartnerschaften und Bürgerkontakte zu Hinckley (England), Fredericia (Dänemark), Quedlinburg (Sachsen-Anhalt), Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe, Polen), Quincy (Illinois, USA), Vodice (Kroatien), Leutesdorf am Rhein,
– Matthäus Daniel Pöppelmann und Dresden,
– das zweitälteste Haus in NRW,
– weitere Persönlichkeiten wie z.B. Otto Weddigen oder Hermann Höpker-Aschoff.
Diese Aufzählung ist nicht vollständig und kann noch weiter fortgesetzt werden. Sie ist nur einen Streifzug mit Schlagworten. Wen es interressiert, der kann im Netz noch viel mehr finden.
Erlebbare Geschichte ist allerdings etwas anderes als die Suche mit dem Computer im Internet.

Bezüglich der Finanzierung eines solchen MaM ist es denkbar, dass eine Lösung gefunden werden sollte. Viele Firmen präsentieren doch gerne ihre Produkte, warum dann nicht Altes mit Neuem mischen. So wäre auch die industrielle Entwicklung der Stadt präsentierbar.

Über Architektur lässt sich auch trefflich streiten. Deshalb muss sie nicht unbedingt abweisend oder überdimensioniert wirken. Sie kann sich auch harmonisch einfügen ins Gesamtbild. Dieses allerdings, vermisse ich bei den veröffentlichten Plänen schon, weil der Bereich durch die bestehende Münsterkirche und die Bauweise des Rathauses stark beeinflusst wird.

Es gibt meiner Auffassung nach also noch viel Gesprächsstoff für alle Beteiligten, nicht nur die Kurzform: Stadtsäckel leer – geht nicht oder andere Aufgaben sind wichtiger.

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